Jedes Jahr findet der Schülerlandeswettbewerb „Erinnerungszeichen“ mit dem diesjährigen (2020) Thema „Der Geschichte ein Gesicht geben“, ausgeschrieben von dem Staatsministerium für Unterricht und Kultus, statt. Die Klasse 10b und auch einzelne Schüler und Schülerinnen der Klassen 10a und 9b erstellten eine multimediale Ausstellung zum Thema „Den Juden Miltenbergs ein Gesicht und eine Stimme geben“ und gewannen damit den 2. Landespreis.

Schon in den Jahren 2016, 2017 und 2018 beteiligten sich Schüler und Schülerinnen der Johannes-Hartung-Realschule an der Verlegung der Stolpersteine in Miltenberg. Insgesamt 44 jüdische Mitmenschen fielen dem Holocaust zum Opfer und für diese verlegte der Künstler Gunter Demnig goldene Steinplatten. Dass solche Erinnerungssteine auch in Miltenberg verlegt wurden, ist mehreren Bürgern Miltenbergs zu verdanken, die die Bürger-Initiative „Miltenberger Stolpersteine – GEGEN DAS VERGESSEN“ 2013 gegründet hatte. Sie kooperierten eng mit den Schulen Miltenbergs zusammen, welche die feierliche Verlegung mitgestalteten.

In einem klassenübergreifenden Projekt nahmen sich Schüler der 9. und 10 Klassen den 44 Opfern an. Sie recherchierten mehrere Wochen nach den Schicksalen einstiger Mitbewohner der Miltenberger. Vor allem die Klasse 10b schrieb zu den vielen Ehepaaren und Familien verschiedene Texte, wie Monologe, Tagebucheinträge, Sachtexte und auch Erzählungen, um deren Leben zu veranschaulichen, bevor sie alle ermordet wurden. Diese Texte wurden im neuen Tonstudio durch die Radio- und Film-AG aufgenommen und bearbeitet. Gleichzeitig wurde eine Ausstellung erstellt, in der die Straßenverläufe der Haupt- und der Mainstraße nachgestellt wurden, um so genau nachzuvollziehen, wer wo lebte. Über QR-Codes können die Besucher mittels ihres Smartphones die Audiodateien abhören. In der Schule stehen auch Kopfhörer zur Verfügung. So können die Geschichten der ermordeten Miltenberger erlebbar gemacht werden.

Alle Beteiligte sind sehr froh, dass dieses Projekt trotz der Pandemie fertig gestellt werden konnte. Dies ist sehr wichtig – auch so viele Jahre nach dem Krieg und den schrecklichen Ereignissen – denn keiner kann uns die Garantie geben, dass so etwas nie wieder geschehen wird.

 Veronika Repp